Bien­chen, – jetzt Frau Mer­kel – *ca. Okto­ber 2015

Bienchen1705153Dra­ma­ti­sche Umstän­de, die wir aus Rück­sicht­nah­me auf die Besit­ze­rin nicht erläu­tern möch­ten, führ­ten dazu, dass Bien­chen zusam­men mit ihrem Freund Boo­mer in einer Hau­rucka­ti­on am 12.10.2016 bei uns auf­ge­nom­men wer­den muss­te. Ein wei­te­res Mäd­chen schaff­te den Weg zu uns nicht mehr, sie ver­starb kurz vor dem Transport. 

Bien­chen war in äußerst schlech­tem Gesund­heits­zu­stand. Ihr gan­zer Bauch war nass, vol­ler Urin. Sie hat­te kah­le, wun­de Stel­len und am rech­ten Vor­der­bein­chen eine star­ke Podo­der­ma­ti­tis mit Bor­ken. Sie hat­te mas­si­ve Schmer­zen und Pro­ble­me beim Laufen. 

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Auch Boo­mer ging es sehr schlecht, wes­halb ich einen Not­fall-Ter­min in der Tier­klink mit bei­den Tie­ren wahr­neh­men muss­te. Bei­de wur­den 3 Tage sta­tio­när auf­ge­nom­men und medi­zi­nisch ver­sorgt. Nach­dem Bien­chen sta­bil war und ent­las­sen wer­den konn­te, war die Betreu­ung noch lan­ge nicht vor­bei. Im Gegen­teil. Die Pfo­te muss­te täg­lich gesäu­bert, geba­det, gecremt und ein­ge­bun­den wer­den. Der Bal­len­ab­szess zeig­te sich als äußerst hart­nä­ckig. Erst nach knapp 10 Wochen konn­te Bien­chen ohne Ver­band laufen. 

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Das Fell erhol­te sich, es wuchs schön weich nach. Aus Bien­chen wur­de eine rich­tig schö­ne, mitt­ler­wei­le auch gut genähr­te US-Ted­dy-Dame. Aber Bien­chen hat nicht nur physische,sondern in ers­ter Linie psy­chi­sche Schä­den erlit­ten. Sie kann sich schwer an neue Situa­tio­nen gewöh­nen und ist sehr stress­an­fäl­lig. Art­ge­nos­sen begeg­ne­te sie sehr miss­trau­isch und biss plötz­lich, will­kür­lich und jag­te alles und jeden. Sie ist sehr ver­hal­tens­auf­fäl­lig und dreht den Kopf von der lin­ken zur rech­ten Sei­te, als ob es sie jucken wür­de, und sie sich mit dem Mund krat­zen wür­de. Sie hat weder Para­si­ten, noch tro­cke­ne Haut. Es ist regel­recht eine psy­chi­sche Macke. Man mag sich gar nicht vor­stel­len, was sie erlebt hat. 

 

Man brauch­te sehr viel Geduld mit Bien­chen. Sie bekam lan­ge eine Behand­lung mit Bach­blü­ten. Mir gegen­über ist sie lamm­fromm. Ich kann sie an Ort und Stel­le strei­cheln, dann schließt sie die Augen und genießt. Auf dem Arm kuschel sie sich an mich. Beu­ge ich mich übers Gehe­ge macht sie Männ­chen und gibt Küss­chen. Also hab ich beschlos­sen, es mit ihr in der eige­nen Grup­pe zu ver­su­chen. Hier woh­nen 7 Wus­ler (von 3 bis 8 Jah­re), alle sehr ver­träg­lich, ruhig und freund­lich. Bien­chen zeig­te Zäh­ne, aber wie.….. Die Ver­ge­sell­schaf­tung muss­te in Mini-Schrit­ten, mit immer einem wei­te­ren Tier, erfol­gen. Man brauch­te eine Engels­ge­duld und gute Ner­ven .Heu­te, nach über 3 Mona­ten!!! ist die Lage ent­spannt. Bien­chen hat zwar kei­ne Lieb­lings­freun­din gefun­den, aber zumin­dest tol­le­riert sie ande­re Schwein­chen in ihrer Nähe und auch das gemein­sa­me Essen klappt sehr gut, ohne dass Bien­chen jeden wegbeisst. 

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Bien­chen ist das cha­rak­ter-stärks­te und zeit­gleich sen­si­bels­te Schwein­chen das mir in den vie­len Jah­ren der Meer­schwein­chen-Hal­tung unter­ge­kom­men ist. Obwohl sie manch­mal so ein Stinks­tiefl ist, hab ich mein Herz schon arg an sie ver­lo­ren. Bei mir heißt sie nun "Frau Mer­kel". Nicht weil ich ein gro­ßer Fan unse­rer Bun­des­kanz­le­rin bin, son­dern weil ich an die Inte­gra­ti­on geglaubt habe und "wir schaf­fen das" hier wirk­lich eine beson­de­re Bedeu­tung hat­te. Und wie es sich für eine Bun­des­kanz­le­rin gehört, sieht sie wohl ihre Mit­be­woh­ner als ihr Kabi­nett an und hofft wei­ter­hin, dass alle nach ihrer Pfei­fe tan­zen und eine neue Koal­ti­on auf sich war­ten lässt. 

Lie­be Frau Mer­kel, Du hast mich oft schlaf­lo­se Näch­te gekos­tet und bestimmt das eine oder ande­re graue Haar, aber um nichts auf der Welt möch­te ich Dich und Dei­ne ganz beson­de­re Art missen!

Dei­ne Pfle­ge­ma­ma, Andrea