Solveig, *12.01.2017 – 23.07.2019

Solveig – Wir­bel­wind mit vie­len Handicaps

Solveig ist die Toch­ter von Zeta, wel­che wir bereits träch­tig aus dem Dach­au­er-Zwin­ger-Not­fall über­nah­men. Sie hat noch einen Bru­der namens Peer.

Sie wur­de am 12.01.2017 als ver­mein­lich gesun­des Mäd­chen gebo­ren. Wäh­rend ihr Bru­der Peer nach der Geburt nicht lau­fen konn­te und auch von der Mut­ter zunächst nicht ange­nom­men wur­de, turn­te Solveig mun­ter durchs Gehe­ge und nahm auch ste­tig an Gewicht zu. Sie war ein nor­ma­les, fröh­li­ches Meer­schwein­chen-Baby. Nach 6 Wochen fiel auf, dass Solveig den Kopf leicht schief hält, das All­ge­mein­be­fin­den war unge­stört und auch die Fut­ter­auf­nah­me bes­tens. Beim Tier­arzt­ter­min konn­te eine Mit­tel­ohr­ent­zün­dung aus­ge­schlos­sen wer­den, der Ver­dacht bestand auf Menin­gi­tis. Solveig bekam trotz des jun­gen Alters ein Anti­bio­ti­kum, wel­ches aber lei­der kei­nen Erfolg brach­te. Die Kopf­schief­hal­tung wur­de immer schlim­mer und sie begann, den Kopf regel­recht von Schief­hal­tung wie­der in die gera­de Stel­lung zu ziehen.

Erschwe­rend kam hin­zu, dass Solveig­mit­te März, wie vie­le ande­re Tie­re aus die­sem Not­fall, einen Eiter­ab­szess am Hals ent­wi­ckel­te und die Lymph­kno­ten rasend schnell anschwol­len. Man muss­te das Risi­ko ein­ge­hen, Solveig zu ope­rie­ren. Der Abszess wur­de gespal­ten. Es folg­te eine wochen­lan­ge Wund­be­hand­lung, die Wund­höh­le muss­te gesäu­bert, gespült, Lokalan­ti­bio­se ein­ge­bracht und so gut wie mög­lich sau­ber gehal­ten wer­den. Des­halb bekam Solveig eine Hals­krau­se verpasst.

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Der ent­nom­me­ne Abszess und Gewe­be wur­de ins Syn­lab-Vet Labor nach Augus­burg ein­ge­sandt um den Erre­ger, der für die­se nun gehäuf­ten Abszess-Vor­komm­nis­se der Dach­au­er Tie­re, bestim­men zu kön­nen. Auf das Ergeb­nis muss­ten wir eine Woche war­ten und waren sicht­lich über­rascht bzw. geschockt.

Solveig – und somit höchst­wahr­schein­lich alle ande­ren Dach­au­er – waren mit Sta­phy­lo­coc­cus xylo­sus, einem sehr sel­te­nen Bak­te­ri­en­stamm der Gat­tung der Sta­phy­lo­kok­ken, infi­ziert. Ein mit­an­ge­for­der­tes Anti­bio­gramm sag­te aus, dass die­se Erre­ger sen­si­bel auf Cotri­m­o­xazol reagie­ren. Dar­auf­hin wur­de Solveig – und allen ande­ren Dach­au­ern vor­sicht­sal­ber auch gleich – die­ses Anti­bio­ti­kum ein­ge­ge­ben. Es brach­te nur lang­sam Erfolg, erst nach 6 Wochen war alles aus­ge­heilt. Zumin­dest hat­te es zur posi­ti­ven Fol­ge, dass kein wei­te­res Tier aus dem Dach­au­er Noft­fall, mehr an einem Abszess erkrank­te. Wir recher­chier­ten sehr viel und spra­chen mit vie­len Tier­ärz­ten und dem Labor. Alle bestä­tig­ten, dass die­se Erre­ger­form beim Meer­schwein­chen bis­her äußerst sel­ten dia­gnos­ti­ziert wur­de. Unse­rer Tie­re wur­den somit zu einem medi­zi­ni­schem Präzedenzfall.

Lei­der hat aber auch die­ses Anti­bio­ti­kum nicht dazu bei­getra­gen, die neu­ro­lo­gi­schen Auf­fäl­lig­kei­ten des Kop­fes zu regu­lie­ren. In Ruhe­pha­sen zieht Solveig den Kopf nach wie vor stark nach rechts.

Als wenn das nicht schon genug wäre.…. Ende Juni 2017 stell­ten wir dann Ver­än­de­run­gen am rech­ten Auge fest. Solveig wur­de bei einer Augen­spe­zia­lis­tin vor­ge­stellt und das Auge mit­tels Ultra­schall unter­sucht. Die nächs­te Ernüchterung:
Solveig hat eine Netz­haut­ab­lö­sung und kei­ne Reak­ti­on der Iris. Wie­viel sie – wenn über­haupt – noch sieht, kann man nicht sagen. Das mensch­li­che Auge könn­te mit­tels Laser behan­delt wer­den, für das Meer­schwein­chen-Auge gibt es die­se Mög­lich­keit lei­der nicht und man berich­te­te uns, dass es für Solveig hier kei­ne Behand­lungs­mög­lich­keit gibt. Das Auge muss nun regel­mä­ßig unter­sucht wer­den und wir hof­fen, dass sie die­ses zumin­dest behal­ten kann und nicht in Zukunft auch noch ope­ra­tiv ent­fernt wer­den muss.

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Trotz all die­ser vie­len Ein­schrän­kun­gen hat Solveig ein hohes Maß an Lebens­freu­de. Sie wohnt auf unse­rer Pfle­ge­stel­le in Bad Aib­ling und teilt sich ein schö­nes, gro­ßes Boden­ge­he­ge mit 5 wei­te­ren Meer­schwein­chen. Die Seh­schwä­che hin­dert sie nicht dar­an, auf die höchs­ten Unter­stän­de zu sprin­gen oder mit ihren Freun­den durchs Gehe­ge zu sprinten.

Solveig ist ein regel­rech­ter Wir­bel­wind und noch dazu cha­rak­ter­stark. Sie lässt sich von nie­man­dem so schnell unter­but­tern und zeigt eher den ande­ren noch, wo es ihrer Mei­nung nach lang­geht. Beson­ders wenn es Fut­ter gibt, ist sie nicht zu brem­sen und for­dert die­ses laut­stark ein.

Sie braucht nicht nur ein geschul­tes Auge auf der Pfle­ge­stel­le, son­dern ganz beson­ders einen regel­mä­ßi­gen Fach-Tier­arzt­be­such. Die bis­her ange­fal­le­nen Tier­arzt­kos­ten, ins­be­son­de­re die Labor­be­fun­de, haben unse­ren Ver­ein schon eine gan­ze Stan­ge Geld gekos­tet. Wir freu­en uns des­halb, über net­te Paten, die Solveig finan­zi­ell unterstützen.

07.07.2019:

Solveig wird seit län­ge­rem täg­lich zuge­füt­tert, da sie sonst ihr Gewicht nicht hält. Mit unter 900 Gramm ist sie ein Leicht­ge­wicht. Sie zeigt wei­ter­hin aus­ge­präg­te moto­ri­sche Stö­run­gen, ist oft­mals sehr hek­tisch und unkon­trol­liert. Solveig wird regel­mä­ßig beim Tier­arzt vor­ge­stellt, ihre Zäh­ne sind in Ord­nung, orga­nisch konn­te man kein Defi­zit feststellen.

Solveig ist ein klei­nes Psy­cherl das viel Auf­merk­sam­keit braucht. Bei Tan­ja wird sie bes­tens betreut und auf ihr Han­di­cap eingegangen.

23.07.2019:

Am 22.07.2019 kam Solveig nicht mehr zum Fres­sen. Sie muss­te ja schon die letz­ten Wochen zuge­füt­tert wer­den, weil sie vom Gewicht so run­ter rutsch­te. Pfle­ge­ma­ma Tan­ja war am Mon­tag gleich bei der Tier­ärz­tin, die­se stell­te einen enor­men Bläh­bauch fest und stell­te kei­ne gute Pro­gno­se. Trotz aller Medi­ka­men­te, Päp­peln und Bauch­mas­sa­ge konn­te man sie nicht mehr ret­ten. Jetzt ist der klei­ne Wackel­kopf in einer hof­fent­lich bes­se­ren Welt. Wir sind alle sehr traurig.

Herz­li­chen Dank an Vere­na, sowie Phil­ipp und Moritz für die Über­nah­me einer Paten­schaft für Solveig!