Micki, *2012 – 08.04.2017

20170212Micki2Micki fand den Weg zu uns, weil ihre Part­ne­rin ver­starb und die­ses Ereig­nis die 14jährige Toch­ter der Fami­lie so scho­ckiert hat, dass die Fami­lie beschloss die Meer­schwein­chen-Hal­tung zu beenden.

Gleich nach der Auf­nah­me bei uns fiel der Pfle­ge­stel­le auf, dass Micki unten nur noch einen Schnei­de­zahn hat­te. Micki konn­te kaum fres­sen, zupf­te leid­lich am Salat und ver­zog sich in die Kuschel­py­ra­mi­de. Über Nacht rühr­te sie kein Fut­ter an, Zufüt­tern mit Cri­ti­cal Care war ange­sagt und am nächs­ten Tag stell­ten wir sie bei unse­rer Tier­ärz­tin vor:

Die ernüch­tern­de Diagnose:

Nicht nur der Schnei­de­zahn fehl­te, das Zahn­fach war total ent­zün­det, die Backen­zäh­ne hat­ten Spit­zen und muss­ten kor­ri­giert wer­den. Das Fell wies einen hoch­gra­di­gen Haar­lings­be­fall auf aber zum größ­ten Übel wur­de ein nicht uner­heb­lich gro­ßer Gesäu­ge­tu­mor dia­gnos­ti­ziert. Ihr Gewicht war für ihre Grö­ße mit unter 900 Gramm auch zu gering. Sie bekam Schmerz­mit­tel, Anti­bio­ti­kum, Anti­pa­ra­si­ti­kum und muss­te wei­ter­hin zuge­füt­tert werden.

Wir infor­mier­ten die Besit­zer, woll­ten wis­sen ob Micki viel­leicht gestürzt ist, ob ihnen auf­ge­fal­len ist, dass der Zahn fehlt und ob sie von dem Tumor wuss­ten. Alle Fra­gen wur­den ver­neint, der Zahn war immer da (muss dann wohl auf der Fahrt zu uns plötz­lich aus­ge­fal­len sein?) und der ver­meint­lich letz­te Tier­arzt-Besuch stell­te sich als Ter­min zum Kral­len­schnei­den heraus.

Micki woll­te wei­ter­hin nicht selb­stän­dig fres­sen. Egal was wir rein­leg­ten, es wur­de alles ver­schmäht. Wie­der Kon­takt­auf­nah­me mit den vor­ma­li­gen Besit­zern. Nach 2maligem Nach­fra­gen kam dann die Wahr­heit ans Licht. Micki bekam viel Tro­cken­fut­ter und nur hin und wie­der mal Salat oder Möh­re. Sie kann­te schlicht­weg das ande­re Fut­ter gar nicht! Von wegen „bekam bis­her nur Frischfutter“.

Bei der Nach­kon­trol­le bzgl. der Zäh­ne die nächs­te Ernüch­te­rung. Das Zahn­fach war trotz Anti­bio­ti­ka-Gabe wei­ter­hin hoch­gra­dig ent­zün­det, schlim­mer noch, es stand unter Eiter. Der Abszess war nicht in sich geschlos­sen, man konn­te nicht ope­rie­ren. Eine Auf­nah­me zeig­te, dass auch der Kie­fer­kno­chen schon ange­grif­fen war. Die Ver­let­zung muss­te also schon wesent­lich län­ger zurück­ge­le­gen haben. Es folg­te eine anstren­gen­de Zeit: Das Zahn­fach muss­te täg­lich gespült wer­den, sie bekam erneut täg­lich Medi­zin und Schmerz­mit­tel ver­ab­reicht. Micki war eine Inten­siv­pa­ti­en­tin. Bekam zusätz­lich alles was ihr Herz begehr­te, sogar Hafer­flo­cken, Erb­sen­flo­cken, Gras­pal­lets um ihr Gewicht eini­ger­ma­ßen zu hal­ten und natür­lich ganz viel Fürsorge.

An eine Ope­ra­ti­on des Tumors war unter die­sen Bedin­gun­gen selbst­ver­ständ­lich gar nicht zu den­ken. Micki muss­te erst ein­mal wie­der sta­bil wer­den. Es war ein ewi­ges Auf und Ab, ein Wett­lauf mit der Zeit, den Micki lei­der am 08.04.2017 ver­lor. Der Tumor wuchs rasant und riss let­zend­lich auf. Es blieb nur noch der schnells­te Weg in die nahe­ge­le­ge­ne Tier­kli­nik um Micki zu erlösen.

Micki war trotz allem eine Kämp­fe­rin und eine Froh­na­tur. Sie lieb­te ihren Pfleg­lings-Part­ner Char­ly und er sie. Wie ein altes Ehe­paar lagen sie zusam­men. Sie genoss die Zuwen­dung ihrer Pfle­ge­ma­ma und war nie mür­risch; ließ jede Behand­lung ganz brav zu. Als ob sie spür­te, dass man ihr hel­fen woll­te. Sie genoss den vie­len Platz im Eigen­bau und Frei­lauf (jah­re­lan­ge Hal­tung zuvor im 120er Käfig) und schlich sich mit ihrer net­ten Art in alle Herzen.

Der Abschied von Micki fiel sehr schwer, es flos­sen vie­le Trä­nen Sie war nur knapp 8 Wochen bei uns aber wir alle fie­ber­ten mit ihr mit, drück­ten alle Dau­men damit sie wie­der gesund wird.

Der Kom­men­tar der ehe­ma­li­gen Besit­zer lau­te­te: „Ent­schul­di­gung für die Umstän­de“ bzw. auf die Nach­richt des Todes kam gar kei­ne Ant­wort. Wie­der ein­mal eine trau­ri­ge Tat­sa­che, dass Besit­zer mit der Abga­be ihrer Tie­re, die sie nach eige­nen Erzäh­lun­gen einst so sehr geliebt hat­ten, nicht nur die Ver­ant­wor­tung son­dern auch das Inter­es­se abschüt­teln. Ganz nach dem Mot­to: Aus den Augen, aus dem Sinn.