Linus, 9 Jah­re (und Ame­lie 9 Jahre)

Linus Amelie komprimiert01Linus und Ame­lie (Opi und Hupi Heesters)

Unser betag­ter Roset­ten­mann Linus kam im Alter von ca. 7 Jah­ren bereits mit einem Penis­vor­fall und einer Ein­schrän­kung in der Streck­be­we­gung bei­der Knie der Hin­ter­bein­chen (Arthro­se) zu den Heuwuslern.

Er lief dem­entspre­chend sehr hoch­bei­nig und konn­te weder auf Häus­chen sprin­gen noch Etagen/Treppen gehen. Den­noch krab­bel­te er ger­ne durch den Aus­lauf und erkun­de­te uner­schro­cken sei­ne Umge­bung. An sei­nem vor­he­ri­gen Platz war er erst vor kur­zem ein­ge­zo­gen, konn­te aber nicht blei­ben, da er sich mit der Meer­schwein­chen-Dame des Hau­ses nicht eini­gen konn­te. Nach kur­zer Zeit zog er so zu unse­rem Qua­si- Gna­den­brot­schwein­chen Ame­lie in eine 2er-Seniorenresidenz.

Ame­lie hat­te zuvor 3 Jah­re allei­ne gelebt und war allen ande­ren Schwein­chen gegen­über eher skep­tisch, doch in Linus fand sie einen Freund. Sie war eine wirk­li­che Diva und hat dies auch gelebt.

Linus wur­de gegen sei­nen Penis­vor­fall und die Arthro­se behan­delt, der Penis­vor­fall ging letzt­end­lich kom­plett zurück und Linus konn­te sich dank der Behand­lung trotz Arthro­se wie­der bes­ser bewe­gen. Er konn­te sogar sei­ne Vor­der­pfo­ten wie­der auf Erhö­hun­gen auf­stem­men – auch krab­bel­te er mit dem Ober­kör­per in die Heurau­fe und genoß die neue Beweglichkeit.

Bezeich­nend war es, wenn er es sich 10 min. lang unter lau­tem Geo­in­ke in sei­nem Kuschel­sack bequem gemacht hat – auch lag er ger­ne ein­ge­rollt quer in Kuschelröhren.

Nach einer Wei­le hat sich Linus Arthro­se ver­schlech­tert – sei­ne Knie konn­te er kaum noch beu­gen und die Hüf­te war auch in Mit­lei­den­schaft gezo­gen. Er lag mehr im Heu und schaff­te es nicht mehr in die Heurau­fe. Trotz extrem kal­zi­um­ar­mer Ernäh­rung hat­te Linus mas­si­ven Bla­sen­gries aus­ge­bil­det, so dass er häu­fig gesäu­bert und ein­ge­cremt wer­den muss­te. Des­we­gen stan­den regel­mä­ßi­ge Infu­sio­nen und Medi­ka­men­te auf dem Plan, die Linus mit rou­ti­nier­ter Selbst­ver­ständ­lich­keit über sich erge­hen liess. Tablet­ten nahm er sogar ger­ne aus der Hand.

Auch Ame­lie hat­te ihre Weh­weh­chen aus­ge­bil­det – im hohen Alter von 7 Jah­ren muss­te sie auf­grund einer Hämo­me­tra noch kas­triert wer­den, wobei noch Zys­ten und ein Tumor ent­fernt wur­den. Eine häu­fig auf­tre­ten­de Kie­fer­ge­lenks­ar­thro­se führ­te dazu, dass sie zeit­wei­se nicht Fres­sen konn­te, dazu kam in unre­gel­mä­ßi­gen Abstän­den Durch­fall und eine schnau­fen­de Atmung auf­grund von ver­eng­ten Nasen­gän­gen. Die schwe­re Atmung führ­te dazu, dass wir sie lie­be­voll auch Hupe oder Hupi Hee­sters nannten.

Bei­de genos­sen ver­stärkt ihre Zeit im Heu und in Kuschel­sä­cken. Im Win­ter lagen die­se am liebs­ten noch auf Wärmekissen.

Das wech­sel­haf­te Wet­ter hat dann der Arthro­se der bei­den noch ein­mal star­ken Auf­trieb gege­ben, so dass Linus sei­ne Hin­ter­bein­chen gar nicht mehr bewe­gen konn­te. Durch die schlech­te Durch­blu­tung von Linus Hin­ter­bein­chen trug er sogar maß­ge­fer­tig­te Woll­so­cken, die ihn nicht störten.

Eine Zeit­lang genoss er es umsorgt zu wer­den, jedoch zeig­te auch das dau­er­haf­te Lie­gen sei­ne Aus­wir­kun­gen. Bei Ame­lie trat ein Tumor im Bauch­raum auf, der im Alter von 9 Jah­ren nicht mehr ope­ra­bel erschien. Die­ser hat­te sich so schnell ent­wi­ckelt, dass man mei­nen könn­te sie hät­te ent­schie­den nicht ohne Linus sein zu wol­len und nun mit ihm gehen zu dürfen.

Am Sams­tag, den 12.7.2014 wur­den die bei­den auf der Pfle­ge­stel­le durch unse­re Tier­ärz­tin auf den Weg über die Regen­bo­gen­brü­cke geleitet.

Die bei­den tap­fe­ren Schwein­chen sind dann Sei­te an Sei­te ein­ge­schla­fen – Linus hat­te bis zuletzt ein Grin­sen auf den Lip­pen und war ganz zufrie­den unter­wegs. Er hat wohl auf dem Weg über die Brü­cke sei­ne Arthro­se abge­legt und ist auf der ande­ren Sei­te voll­stän­dig gesund ange­kom­men und end­lich wie­der losgaloppiert.

Ame­lie hat sich etwas mehr Zeit gelas­sen und bis zuletzt gekämpft. Wahr­schein­lich wuss­te sie, dass Linus auf der ande­ren Sei­te auf sie war­tet und das ers­te Mal seit sie sich ken­nen schnel­ler lau­fen kann als sie. Nun kann er wie­der hin­ter ihr her, ihr auch mal wie­der das Öhr­chen abschle­cken und sie ein wenig zurecht­wei­sen, wenn sie sich wie­der wie eine Diva benimmt. Die bei­den waren wie das buch­stäb­li­che alte Ehe­paar – sie konn­ten nicht mit­ein­an­der, aber auch nicht ohne ein­an­der. Ame­lie hat kein Schwein­chen an ihrer Sei­te akzep­tiert, obwohl wir es mit eini­gen ver­sucht haben. Ein­zig Linus durf­te blei­ben – und den hat sie dann gleich gesucht, wenn wir ihn zur Medi­ka­men­ten­ga­be her­aus­ge­nom­men habe. Am liebs­ten woll­te sie gleich in einem Kuschel­sack mit ihm liegen.

Vie­len Dank an Frau End­res, die Linus nicht nur finan­zi­ell, son­dern auch mora­lisch unter­stützt hat und sich immer nach sei­nem Befin­den erkun­digt hat.

Die bei­den Rent­ner wer­den uns sehr feh­len, da sie den ruhen­den Pol dar­stell­ten und sich immer für alle Für­sor­ge und Zunei­gung bedankt haben. Auch wenn sie inten­si­ver Pfle­ge bedurf­ten, so haben sie es sich wirk­lich verdient.

Machts gut ihr zwei und genießt es wie­der gesund und mobil zu sein.