2016/02 – Immen­stadt (All­gäu) – 70 Tie­re in Messihaushalt

KaefigAm 08. Febru­ar erreich­te uns eine Mail vom Tier­schutz­ver­ein Immen­stadt im All­gäu mit der Bit­te bei einem Not­fall mit über 70 Meer­schwein­chen behilf­lich zu sein.

Was war pas­siert:
Am 27.12.2015 stand eine Frau mit 12 Meer­schwein­chen vor der Tür des Tier­heims um die­se dort abzu­ge­ben. Die Mit­ar­bei­te­rin nahm 9 Böck­chen und 3 Mäd­chen auf und frag­te nach dem Abgabegrund.

Die Tier­hal­te­rin mein­te, sie hät­te zu vie­le Tie­re und möch­te die­se an gute Plät­ze wei­ter­ver­mit­telt wis­sen. Da der Tier­heim-Mit­ar­bei­te­rin das gan­ze etwas "spa­nisch" vor­kam woll­te sie wis­sen, wie vie­le Tie­re sie denn noch hat. Sie wis­se es nicht so genau, sie mein­te, es sei­en noch 12 Schwein­chen. Das Tier­heim beschloss, sich die Hal­tung der Tie­re anzu­se­hen, aber die Besit­ze­rin ver­wei­ger­te einen Zutritt zum Haus. Erst nach Andro­hung von wei­te­ren Schrit­ten (Ein­schal­tung des Vete­ri­när­am­tes und des Ver­mie­ters) lenk­te die Besit­ze­rin ein und stimm­te einem Besuchs­ter­min im Febru­ar zu. Vor Ort dann das Dilem­ma: Die Tie­re hiel­ten sich über­wie­gend in der Küche und im Haus­gang auf. In der Küche stan­den 2 ver­ros­te­te Käfi­ge, voll mit ver­stör­ten Schwein­chen. Da die Käfig­tü­ren nicht mehr rich­tig schlos­sen, konn­ten die Tier­chen ohne Pro­ble­me ent­wei­chen. Alles wusel­te quer durch­ein­an­der: unk­as­trier­te Böck­chen, Mädels und 3 Babys. Ein Ein­fan­gen der Tie­re gestal­te­te sich äußerst schwie­rig, denn die­se ver­steck­ten sich natür­lich hin­ter jeder gege­be­nen Mög­lich­keit, Spü­le, Gefrier­tru­he, Schrän­ke etc. Hin­zu­kam, dass die Woh­nung von Boden bis zur Decke vol­ler Gerüm­pel war (Mes­si-Haus­halt).

Nach län­ge­rem Pro­ze­de­re konn­ten schließ­lich 25 Böck­chen, 27 Mäd­chen und 3 Babies ein­ge­fan­gen wer­den. Aller­dings eben nur aus Küche und Flur. Die Türen zu den ande­ren Zim­mern stan­den einen Spalt offen, aber die­se durf­ten dann nicht mehr betre­ten wer­den. Es besteht also durch­aus die Mög­lich­keit, dass sich auch hier noch eini­ge Tie­re auf­hal­ten und die Ver­meh­rung wei­ter geht.… Das Tier­heim Immen­stadt bleibt hart­nä­ckig an der Sache dran und wir hof­fen, dass nicht noch ein­mal so eine Men­ge von Tie­ren Zuflucht benötigt.

Ein­drü­cke aus dem Tierheim:

ImTierheim1 ImTierheim2

In die­sem Fall haben zum Glück vie­le Orga­ni­sa­tio­nen zusam­men­ge­hol­fen. Die Tier­hei­me Lin­dau und Kemp­ten sowie die Orga­ni­sa­ti­on Zuflucht für Tie­re haben neben uns vie­le Tie­re auf­ge­nom­men. Über 70 Meer­schwein­chen, wovon fast alle Mäd­chen träch­tig sind, wären für eine Orga­ni­sa­ti­on ein­fach nicht zu bewältigen.Wir haben aus die­sem Not­fall 6 Buben, 12 Mäd­chen und 3 Babies (davon 2 klei­ne Büb­chen) übernommen.

Zwei Meer­schwein­chen sind lei­der kurz nach der Auf­nah­me im Tier­heim Immen­stadt ver­stor­ben. Es ist sehr trau­rig, dass für die Zwei die Ret­tung zu spät kam.

Maria's Auto war bis zum letz­ten Platz gefüllt mit Trans­port­bo­xen und da der Weg von Mün­chen in's All­gäu nicht gera­de der nächs­te ist, leg­ten wir an die­sem Tag knapp 400 km Fahrt­weg zurück. Gleich nach der Über­nah­me der Tie­re bega­ben wir uns bei wid­ri­gen Fahr­be­din­gun­gen bei Grau­pel­schau­er auf den 2‑stündigen Weg in die Tierarztpraxis.

ImmenstadtKofferraum ImmenstadtTransportboxen

Dort war man schon auf unser Ein­tref­fen am spä­te­ren Nach­mit­tag vor­be­rei­tet, Qua­ran­tä­ne-Käfi­ge waren bereit gestellt etc. Den­noch war es ein enor­mer zeit­li­cher Auf­wand alle Tie­re zu che­cken, Fotos zu machen, For­mu­la­re aus­zu­fül­len und Daten­blät­ter den Tie­ren zuzu­ord­nen. Die Sprech­stun­de geht regu­lär nur bis 19 Uhr – wir haben die­se erst um 20:30 Uhr verlassen.

Unser Dank gilt wie­der ein­mal unse­rer Tier­ärz­tin Frau Dr. Bar­ba­ra Homei­er! Ihr uner­müd­li­cher Ein­satz, Geduld und gro­ßes Herz für die klei­nen Nager ist unver­gleich­lich. Die ange­fal­le­nen Über­stun­den bis spät abends sind kei­ne Selbstverständlichkeit. 

Denn nach unse­rer Abrei­se aus der Pra­xis war ihr Abend noch lan­ge nicht been­det, da wur­den noch eini­ge der Tie­re versorgt! 

Lei­der waren die meis­ten Tie­re in kei­nem opti­ma­len Gesund­heits­zu­stand. Vie­le hat­ten neben Haar­lin­gen auch Mil­ben, extrem schüt­te­res Haar­kleid, demi­ne­ra­li­sier­te Zäh­ne auf­grund von Vit­amin­man­gel. Ein Bub hat­te eine Bron­chi­tis und befand sich lan­ge in der Obhut unse­rer Tier­ärz­tin. 2 Mäd­chen hat­ten eine Augen­er­kran­kung bzw. ein Mädel ist auf dem lin­ken Auge blind.

VeniaBlind

Peeta Ceasar Effie

Für uns war der 15.02.2016 ein sehr anstren­gen­der Tag, an dem wir um 00:30 Uhr erschöpft ins Bett gefal­len sind. Es bedarf bereits im Vor­feld wirk­lich gro­ßer Orga­ni­sa­ti­on. Wel­che Pfle­ge­stel­le kann wie­vie­le Tie­ren auf­neh­men und kön­nen die­se Pfle­ge­stel­len die Tie­re auch noch am glei­chen Abend auf­neh­men? Aber auch an Ort und Stel­le lehrt uns so ein Not­fall spon­tan umzu­dis­po­nie­ren, weil oft­mals alles anders kommt als geplant. Tie­re sind krank, kön­nen nicht zum geplan­ten Zeit­punkt über­nom­men wer­den oder die geplan­ten Pfleg­lings-Paa­re ver­ste­hen sich nicht. Dann muss schnell umge­setzt wer­den bevor es zu Bei­ße­rei­en kommt und so wei­ter und so fort. 

Beson­ders stolz sind wir auf unser groß­ar­ti­ges Team das Gewehr bei Fuß stand und somit die Ver­tei­lung der Tie­re auf die jewei­li­gen Pfle­ge­plät­ze rei­bungs­los von­stat­ten gehen konn­te. Vie­len Dank an Euch alle und natür­lich an unse­re Pflegestellen!

In Zah­len: 

21 Tie­re haben wir über­nom­men, davon waren 9 Weib­chen trächtig.

21 Babys wur­den gebo­ren (12 Mäd­chen, 9 Buben) 2 klei­ne Mädchen,die Töch­ter von Octa­via, star­ben lei­der im Alter von 4 Wochen an einer Herzmuskelentzündung. 

17 Buben muss­ten kas­triert werden. 

1 Bub namens Pee­ves, blieb als Gna­den­brot­tier bei uns. Er war von Geburt an ein Küm­mer­ling, hat­te Herz- und Lun­gen­pro­ble­me und muss­te regel­mä­ßig beim Tier­arzt vor­ge­stellt wer­den. Er muss­te am 17.03.2017 erlöst werden. 

CollageBabiesImmenstadt