Not­fall Rott am Inn mit ver­mut­lich mehr als 200 Meerschweinchen

1Meeris07sLie­be Freunde,

ges­tern erhiel­ten wir einen Hil­fe­ruf vom Tier­heim Rosen­heim mit der Bit­te um Unterstützung.

Die Nach­ba­rin eines Anwoh­ners aus Rott am Inn kon­tak­tier­te das Tier­heim. Die­se ver­pfleg­te des­sen Meer­schwein­chen, ist aber am Ende ihrer Kräf­te. Der Nach­bar ist sehr schwer erkrankt und wird wohl aus dem Kran­ken­haus nicht mehr nach Hau­se zurück­keh­ren. Es war die Rede von ca. 80 Tie­ren, die auf dem Grund­stück unkon­trol­liert her­um­lie­fen. Eine Mas­se an Tie­ren, die man allei­ne nicht bewäl­tigt bekommt.

Für uns war es eine Selbst­ver­ständ­lich­keit, hier schnells­tens zu helfen.

Aller­dings spitz­te sich die Lage zu, denn vor Ort traf alle Betei­lig­ten der Schlag. Es wur­den mehr als 200 Tie­re geschätzt, denn auch im Haus befan­den sich unzäh­li­ge klei­ne Wus­ler. Mit einem gro­ßen Trans­por­ter mach­ten sich Lis­si und Hel­ga am Nach­mit­tag auf den Weg, um die Mit­ar­bei­ter des Tier­heims vor Ort bei dem Ein­fan­gen und vor allen Din­gen SUCHEN der Tie­re zu unterstützen.

Es waren über­all Schwein­chen; im Haus (die Tür stand offen, aus recht­li­chen Grün­den durf­te das Haus aber nicht betre­ten wer­den), im Gar­ten, im Gerüm­pel. Im "Gar­ten" nur Müll, alte Autos und zwi­schen­drin total ver­si­ff­te Käfige/Ställe alt, zer­fal­len, ver­fault und verdreckt.

Ställe RottamInn 9 RottamInn 4
RottamInn 5 vor der Haustüre RottamInn 12

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In einem die­ser Käfi­ge saßen Kanin­chen. Hel­ga hat sie erst mal gefüt­tert, sie sind regel­recht über das Grün­fut­ter hergefallen.

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Die Tie­re alle­samt total aus­ge­hun­gert und durs­tig. Es lau­fen Babies umher, die kei­ner Mut­ter zuge­ord­net wer­den konn­ten, voll­kom­men ver­milb­te Tie­re, von Räu­de zer­fres­sen, fast kei­ne Haa­re mehr, Zer­bis­se­ne, Tod­kran­ke, Hoch­träch­ti­ge. Außer­dem gibt es dort noch einen Schup­pen. Der Dreck steht hier min­des­tens 50 cm hoch. Aus die­sem Schup­pen haben Hel­ga und Lis­si ein Kanin­chen und zwei Meer­schwein­chen regel­recht aus dem Dreck ausgegraben.

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Kurz gesagt:

Ein Bild des Grauens!

Mit ver­ein­ten Kräf­ten konn­ten vie­le Tie­re, teils mit Keschern gefan­gen wer­den. Hel­gas Trans­por­ter war am spä­ten Nach­mit­tag zum Bers­ten voll und 44 Meer­schwein­chen sowie 1 Kanin­chen waren an Bord. Zuvor bedarf es einem enor­men Orga­ni­sa­ti­ons­auf­wand mit vie­len Tele­fo­na­ten, bis wir wuss­ten, wie vie­le Tie­re wir über­haupt unter­brin­gen auf unse­ren Pfle­ge­stel­len. Von anfäng­lich 20 wuchs die Anzahl auf 45, Dank spon­tan­ter Hil­fe von so vie­len Pflegestellen.

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Ein Mäd­chen, Lis­si tauf­te sie For­tu­na, bekam noch wäh­rend der Fahrt 4 Babies. Alle gesund und mun­ter – Gott sei Dank! Sie wird bei Lis­si blei­ben und in Ruhe ihre Babies groß­zie­hen die nächs­ten Wochen. Unse­re Tierärt­zin erklär­te sich dann spo­n­an noch bereit, noch wei­te­re 4 träch­ti­ge Mächen unter zu brin­gen und für sie und deren Nach­wuchs zu sorgen.

Fortuna und Babies3

Das Kanin­chen, Peg­gy, hat bei Hel­ga Unter­schlupf gefun­den. Sie wur­de heu­te bereits beim Tier­arzt vor­ge­stellt. Sie ist träch­tig und wird schon bald Nach­wuchs bekommen.

18 Meer­schwein­chen wur­den über­gangs­wei­se auf unse­re Pfle­ge­stel­le Mün­chen-Süd zu Clau­dia gebracht. Sie schaff­te extra Platz in einem ehe­ma­li­gen Kanin­chen-Gehe­ge. Die­se Tie­re wer­den am Diens­tag alle gleich bei unse­rer Tier­ärz­tin vor­ge­stellt und dann auf Pfle­ge­stel­len verteilt.

27 Tie­re wur­den zu uns nach Mün­chen-Unter­men­zing gebracht. Hier stan­den Punkt 20 Uhr schon alle Pfle­ge­stel­len bereit, um die Tie­re in Emp­fang zu neh­men. Zunächst wur­den alle Mee­ris foto­gra­fiert, gewo­gen und gegen Haar­lin­ge behandelt.

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Danach wur­de über­legt, wel­che Grup­pe auf wel­chen Pfle­ge­platz zie­hen kann. Da wir aber 16 Babies haben, die zum Teil nicht älter als 1 oder 2 Tage sind (Gewicht 65 bis 100 Gramm) aber nur 2 Mamas mit Milch, gestal­te­te sich das Auf­tei­len als sehr schwie­rig. Also sind wir wie­der mit Auf­zucht­s­milch „bewaff­net“ und füt­tern die Klei­nen zu, wel­che unglaub­lich gie­rig an der Sprit­ze hängen.

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Uns allen macht die­se Lage gro­ße Sor­gen, es sind noch so vie­le Tie­re vor Ort. Sie alle müs­sen dort weg. Wir blei­ben in Kon­takt mit dem Tier­heim Rosen­heim und hof­fen, dass wir noch­mal vor Ort ein paar Tie­re raus­ho­len können.

Update vom 14.07.2016:

Wir sind wirk­lich über­wäl­tigt, wie vie­le Men­schen sich in so kur­zer Zeit an uns gewandt haben. Ent­we­der um Mit­ge­fühl für die armen Tie­re zu bekun­den oder direkt Hil­fe anzu­bie­ten, sei es in Form von Unter­brin­gung, Pfle­ge­stel­le, Shut­tle-Ser­vice oder Sach- und Geld­spen­den. Wir erhal­ten unzäh­li­ge Zuschrif­ten und Anru­fe aus ganz Deutsch­land und sogar aus dem angren­zen­den Aus­land. Es ist schön zu wis­sen, dass man in so einem Not­fall nicht allein gelas­sen wird.

Ein herz­li­ches Vergelt's Gott im Namen unse­res gan­zen Teams und im Spe­zi­el­len von unse­ren Tieren.

Dank der gro­ßen Hillfs­be­reit­schaft konn­ten mitt­ler­wei­le alle von uns über­nom­me­nen Tie­re auf Pfle­ge­stel­len in Mün­chen und Umge­bung unter­ge­bracht werden.
Es wer­den der­zeit kei­ne wei­te­ren Pfle­ge­stel­len mehr benötigt! 
Über Kas­tra­ti­ons­pa­ten­schaf­ten für unse­re vie­len Buben und Sach­spen­den freu­en wir uns natür­lich wei­ter­hin sehr!

Kon­takt: andrea.​kraus@​heuwusler-​muenchen.​de oder info@​heuwusler-​muenchen.​de

Das Tier­heim Rosen­heim ist vor allem drin­gend auf Spen­den­gel­der ange­wie­sen! Hel­fen Sie bit­te auch hier wenn es Ihnen mög­lich ist!

http://​www​.tier​schutz​ver​ein​-rosen​heim​.de

Zurück bleibt eine unglaub­li­che Wut, wie es zu so einem Dra­ma über­haupt kom­men kann und war­um in so einem Not­fall kei­ne schnel­le Hil­fe von Sei­ten der Ämter gewähr­leis­tet ist. Bis es zu einer amt­li­chen Ver­fü­gung kommt (wenn über­haupt) und man eine Geneh­mi­gung bekommt, das Haus zu betre­ten, ist es den Behör­den wohl offen­sicht­lich lie­ber, dass alle Tie­re ver­re­cken. Dann hat sich das Pro­blem für sie von selbst gelöst.… Das stinkt doch zum Himmel!!!

Wir dan­ken allen flei­ßi­gen Hel­fern, die sofort Gewehr bei Fuß stan­den. Ich bin über­zeugt, dass jede® Tierschutzkollegin(e) wel­che® vor Ort war und mit die­sem Fall kon­fron­tiert ist, die Bil­der und das Erleb­te so schnell nicht aus dem Kopf bekom­men werden.

Selbst­ver­ständ­lich berich­ten wir, wie es hier wei­ter­geht und wie es den Tie­ren geht!

Es grüßt Sie ganz herzlich,
Andrea und das gesam­te Heuwusler-München-Team