FelixFelix steht für einen Umstand, die leider kein Einzellfall ist und sich wahrscheinlich in so manch anderen Örtlichkeiten auf die eine oder andere Weise abspielt. „Felix“ bedeutet aus dem Lateinischen übersetzt „vom Glück begünstigt“. Dieser Name macht ihm allerdings erst seit dem 27.12.2010 Ehre; an dem Tag nämlich, als Felix zu uns kam.

Felix wurde in einem Kindergarten im Münchner Umland als sogenanntes „Therapie-Tier“ angeschafft. Er sollte den Kindern den Umgang mit Tieren näher bringen und die damit verbundene Verantwortung lehren. Dass dieses Vorhaben schon allein an den verantwortlichen (oder besser gesagt verantwortungslosen) Erwachsenen scheiterte zeigen folgende Tatsachen:

Felix wurde in einem viel zu kleinen Käfig (100 cm) gehalten. Er lebte dort ca. 6 Monate lang ohne einen Artgenossen und wurde stattdessen mehrmals täglich von einem Arm zum anderen gereicht. Man hatte sich auch keine Gedanken über artgerechte Ernährung gemacht. Er bekam (laut Aussage einer Mutter) hauptsächlich Trockenfutter, hin und wieder mal Salat oder sonstige Reste, die in der Küche so anfallen und die Kinder mitgebracht haben. Natürlich auch Mengen an trockenem Brot, denn: „das brauchen Meerschweinchen ja, um ihre Zähne zu kürzen“ war man der Annahme. Heu war nur mäßig vorhanden. Man mag gar nicht darüber nachdenken, ob nicht auch Kekse oder sonstige mitgebrachten Pausensnacks im Schweinchenkäfig landeten. Wer will/kann bei 12 zu betreuenden Kindern schon aufpassen, wer -wann- was genau macht.

Und so sah das Leben von Felix für ca. 6 Monate aus:

An 5 Tagen der Woche tagsüber ohrenbetäubender Lärm, als Spielzeug dienend und nachts Totenstille und Dunkelheit. Übers Wochenende wurde immer schon mal ausreichend Trockenfutter und Semmeln in den Käfig gelegt. Zitat:„damit es auch übers Wochenende reicht“.

Leider kam aber dann „ganz plötzlich“ Weihnachten. Der Kindergarten hatte geschlossen. Angeblich fand sich niemand der sich über die Weihnachtsfeiertage um Felix kümmern könnte und ihn füttern würde. So saß Felix vom 23.12. bis zum 27.12. ganz allein ohne Betreuung im Kindergarten.

Dank einer netten Mutter, die dieses Schicksal nicht mit anschauen konnte, wurden wir kontaktiert. Nach zahlreichen Telefonaten und Verhandlungen konnten wir am 27.12.2010 schließlich erreichen, dass uns der Hausmeister aufsperrte und wir Felix mitnehmen durften. Die Situation die sich uns bot, lässt einen vor Wut kochen: Der Käfig war sehr verschmutzt, enthielt eine angebissene Semmel; kein Wasser, kein Heu. Felix litt unter entsetzlichem Durchfall, war dehydriert und lag kraftlos im Einstreu und auf seinen eigenen weichen Kotbatzen. Wir hatten die größte Besorgnis, dass er den Transport zum Tierarzt nicht überleben würde.

Aber Felix war ein Kämpfer und vielleicht hat er gemerkt, dass ab sofort ein besseres, meerschweinchen-würdiges Leben beginnen würde. Nach einigen Infusionen, dem Aufbau der Darm-Flora, viel gutem Futter, viel Liebe und den nötigen Ruhephasen konnte er erstaunlicherweise in 10 Tagen so stabilisiert werden, um bereits am 07.01.2011 kastriert zu werden. Nach der Narkose war er zwar einen Tag lang noch recht mäkelig mit dem Fressen, aber schon am nächsten Tag waren alle Lebensgeister erwacht und Felix sprang munter und quietschfidel umher und war kaum satt zu bekommen.

Felix konnte nach der Kastrationfrist auf einen schönen Platz in München zu 2 netten Schweine-Mädels und einer sehr bemühten Gurkenschnipplerin vermittelt werden.

Felix hatte nochmal Glück im Unglück, aber viele Meerschweinchen werden nach wie vor als Spieltier angeschafft. Sie sind ja soooo niedlich und quieken so süß..... Meerschweinchen sind Fluchttiere und wollen nicht mit Gewalt aus dem Käfig rausgezerrt und zwangsbeschmust werden. Sie brauchen ihren individuellen Freiraum und wollen mit Respekt behandelt werden!!! 

Man kann in diesem Fall nur hoffen, dass die hierfür verantwortlichen KiGa-Erzieher ihrer im Umgang mit Kindern nötigen therapeutischen Ausbildung und Arbeit pflichtbewusster und fachkompetenter nachkommen und die Kinder diese Art des "Sichselbstüberlassens" nicht als Normalität gelernt haben........

 

Felix

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